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Vorbild und Nachahmung

In den ersten sieben Lebensjahren lernen Kinder vorwiegend durch Nachahmung. Wie kleine Forscher beobachten sie aufmerksam ihre Umgebung und ahmen intuitiv nach, was sie bei Erwachsenen wahrnehmen. Dieses tiefe menschliche Grundprinzip ist ein wichtige Säule unserer pädagogischen Arbeit im Waldorfkindergarten.

Nachahmung ist weit mehr als bloßes Nachmachen. Während Nachmachen (Imitation) bedeutet, etwas anzuschauen, zu verinnerlichen und dann selbst zu probieren, ist Nachahmung ein unmittelbares, unbewusstes Mittun. Kleine Kinder leben oft mehr in ihrer Umgebung und in unseren Handlungen als in sich selbst. Sie nehmen nicht nur äußere Handlungen wahr, sondern auch innere Haltungen, Gedanken und Gefühle der Erwachsenen. Sie spüren Authentizität und reagieren darauf mit ihrem ganzen Wesen. Das Kind fragt nicht: „Was sollte ich tun?“, sondern handelt aus dem Impuls heraus: „Ich möchte so sein wie du!“

Die Verantwortung des Vorbildes

Als Erzieherinnen und Erzieher tragen wir eine besondere Verantwortung. Unser Handeln, unsere Sprache und unsere innere Einstellung prägen die Kinder tiefer als jede direkte Anweisung. Wir verrichten daher sinnvolle und nachvollziehbare Tätigkeiten, die die Kinder zum Mitmachen einladen, ohne sie dazu aufzufordern. Wir bemühen uns um Klarheit in der Sprache und Aufrichtigkeit in unserem Handeln. Um Präsenz in der Aufmerksamkeit und Wärme in der Zuwendung.

Erziehungspartnerschaft

Die Kraft der Nachahmung wirkt nicht nur im Kindergarten, sondern prägt das gesamte Leben des Kindes. Daher laden wir Eltern ein, diesen Entwicklungsweg gemeinsam mit uns zu gehen. Im regelmäßigen Austausch reflektieren wir gemeinsam über die Bedeutung des Vorbildes und unterstützen uns gegenseitig bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe.

Aktualität des Nachahmungsprinzips

Der Appell an uns Erwachsene, auf die Umgebung der Kinder zu achten, ist heute aktueller denn je. In einer Welt, die zunehmend von digitalen Medien, künstlichen Erfahrungswelten und beschleunigten Lebensprozessen geprägt ist, brauchen Kinder authentische Vorbilder, die ihnen Orientierung geben.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Was sollen Kinder alles können? Viel wichtiger ist: In welcher Umgebung können sie gesund aufwachsen und ihre individuellen Fähigkeiten entfalten? Dieses Wirkungsfeld umfasst das Soziale ebenso wie unsere Gedanken und Gefühle. In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit zur knappen Ressource wird, ist die bewusste Gestaltung dieser Umgebung eine zentrale Bildungsaufgabe.

Wir möchten gemeinsam einen Raum zu schaffen, in dem echtes Leben stattfinden kann – mit sinnvollen Tätigkeiten, natürlichen Materialien und wahrhaftigen Begegnungen.


„Das Kind lernt nicht durch Belehrung, sondern durch Nachahmung.“ – Rudolf Steiner

Ein Kind sät Ostergras
Wir backen Plätzchen
Nudeln kochen in der Puppenküche